• Eveline

50 Shades of Grey...

Oder: Was 50 Shades of Grey damit zu tun hat, wie ich mir die Wahrnehmung von uns Müttern wünsche.


ACHTUNG: Text könnte Spuren von Ironie und Übertreibung enthalten


So viel sei vorab schon mal verraten: Nicht das was ihr jetzt denkt.


Ich spreche hier auch weniger von besagtem Bestseller, der die Gemüter sowohl erhitzt als auch spaltet.

Sondern viel mehr von der wörtlichen Übersetzung. Den Grauschattierungen, die es in unserer Welt gibt.

Die in unserem Schwarz /Weiß Denken jedoch häufig nicht existieren.


Seit ich Mutter bin nehme ich diese Diskrepanz umso mehr war.


Entweder du bist die vorbildliche Ökomutti, die die Kinder vegan, zuckerfrei, glutenfrei, bio und saisonal ernährt - natürlich alles selbst gekocht und aus dem eigenen Garten ohne schädliche Pestizide.

Oder du bist die schlechte Mutter, die es nicht auf die Reihe kriegt, ihre Kinder anständig zu ernähren. Bei der es Süßigkeiten gibt, bis die Karies die Zähne zerbröselt, alles aus der Tüte oder der Tiefkühltruhe kommt, die nur das Billigzeug aus dem Discounter kauft (Pfui Massenhaltung, Pfui Pestizide, Pfui Discounter!!!) und die überhaupt zu blöd zum Kochen ist.


Entweder du bist Supermutti, weil du dich vorbildlich für deine Kinder aufgibst und immer schön zurücksteckst, stundenlang hingebungsvoll mit ihnen bastelst, jede noch so große Sauerei und jedes noch so große Drama gelassen weglächelst und sie auch bitte nicht zu früh und nicht zu lange in Fremdbetreuung gibst.

Oder du bist die Rabenmutter, die Egoistin, die einfach nicht mal ihre Bedürfnisse hintenanstellen kann, die keine Lust hat sich mit ihren Kinder zu beschäftigen (wozu hast du die dann eigentlich bekommen?), deren Kinder sich zu Hause nicht ausleben dürfen, weil du keine Lust hast ständig den Kleister von den Wänden zu kratzen und die ihre Kinder direkt nach der Geburt den lieben langen Tag Fremden zur Betreuung gibt (und jetzt nochmal in Großbuchstaben: WARUM HAST DU DEINE KINDER DENN DANN BEKOMMEN, HMMM?).


Entweder du bist bedürfnisorientiert, trägst dein Kind bis deine Kniescheiben ächzen, lässt es im Familienbett schlafen, kommunizierst natürlich ausschließlich gewaltfrei, wirst nie lauter und weißt natürlich sowieso immer, was dein Kind gerade braucht.

Oder du bist die mit der harten Hand, die die Kinder unter ihre Knute hat, dauernd rumbrüllt, die ihre Kinder allein versauern lässt und die, die sowieso ihre eigenen Kinder überhaupt nicht versteht.


Grautöne gibt es für viele Menschen nicht. Dafür lieben sie ihre Schubladen zu sehr.

Und wenn du da in eine nicht reinpasst,

  • weil du deine Kinder zwar einerseits saisonal und bio ernährst, ihnen andererseits aber manchmal auch die Tüte Gummibärchen vom Discounter gibst,

  • weil du deine deine Kinder zwar hingebungsvoll liebst und dich mit ihnen beschäftigst, aber andererseits Gott froh bist, wenn sie im Kindergarten sind und du sie mal für eine Weile los bist,

  • weil du versuchst dein Kind bedürfnisorientiert und gewaltfrei zu erziehen, du es aber dennoch manchmal anbrüllst oder dir im Eifer des Gefechts schonmal die Hand ausgerutscht ist,

dann, ja dann wird es kompliziert. Dann verursachst du diesen Menschen Schweißausbrüche und Unbehagen. Denn dann können sie dich nicht mehr kategorisieren, nicht mehr einordnen. Ihr schönes Weltbild bricht zusammen und sie verfallen in stumme Panik.


Wer diese komischen Menschen sind, die so intolerant sind? Ganz einfach, es sind wir alle.

Sicher nicht immer, sicher nicht bei jedem Thema dem wir begegnen und sicher nicht immer im gleichen Ausmaß. Aber wir alle lieben irgendwo unsere Schubladen.

Wir sind so erzogen worden.

Haben noch Reste eines biologischen "Freund" oder "Feind" Programms in uns, das uns allem Ungewohnten erstmal misstrauisch begegnen lässt.


Schubladen machen uns das Leben leichter. Wir können schneller Entscheidungen treffen. Wir sortieren und machen aus der Vielfalt, die uns täglich begegnet etwas, mit dem wir umgehen können.

Aber sie schränken uns eben auch ein, sie verhindern, dass wir uns mit Dingen und Menschen befassen, die uns als zu fremdartig erscheinen. Die wir schnell in die Schublade für : "Passt nicht zu mir" sortieren und mit einem lauten Rumms zuknallen.


Eine Welt ohne Schubladen wird es nicht plötzlich von heute auf morgen geben. Ich glaube, wir wären überfordert damit. Dennoch können wir anfangen.

Können aus zwei Schubladen vier, sechs oder acht machen.

Können anfangen statt nur Schwarz und Weiß wenigstens vier, sechs oder acht Graustufen wahrzunehmen.

Wir können die Schubladen, die wir fein säuberlich einsortiert haben, regelmäßig wieder aufmachen, um zu schauen, ob die Dinge noch am richtigen Platz liegen. Oder ob da vielleicht mehr und andere Schubladen her müssen.

Wir können die Schubladen immer wieder öffnen und schließen, damit sie geschmeidig bleiben und wir nicht einrosten in unserem Weltbild.


So pflegen und erweitern wir unsern Schubladenschrank im Kopf. Bis er irgendwann so groß und flexible geworden ist, dass er überflüssig wird.


Das wäre doch - nicht nur in Bezug auf ein vielfältigeres Bild der Mutterschaft - eine tolle Sache, oder nicht?




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