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  • AutorenbildEveline

"Du siehst deine Baby an und wirst von Liebe überwältigt sein!"

Es gab wenig, von dem ich vor der Geburt meiner Tochter so überzeugt war, wie vom Wahrheitsgehalt dieses Satzes. Ich war mir einhundert Prozent sicher, dass es genauso kommen würde. Überall - wirklich überall wurde Mutterliebe als genau das beschrieben: Eine überwältigende, alles umspannende Emotion, die einen nach dem ersten Blick auf das kleine Bündel Leben mit einem Schlag überkommt und einen dazu bringt ALLES, wirklich ALLES für diesen kleinen Menschen zu tun. Und wenn selbst meine Mutter mir erzählte, dass mit einem Blick in mein Gesicht alle Schmerzen und Mühen der Geburt vergessen gewesen seien, dann musste es doch einfach stimmen!


Dann setzten die Wehen ein und nach 12 Stunden voller Schmerzen brachte ich mein Baby zur Welt. Als man mir meine Tochter nach der ersten Untersuchung auf den Bauch legte sah ich sie an...


...und fühlte nichts!


Also natürlich nicht gar nichts - ich war körperlich erschöpft, müde (es war nach Mitternacht), froh, dass es vorüber war und auch ein wenig überwältigt von den Ereignissen der letzten Stunden.

Aber plötzliche, überwältigende Mutterliebe? Fehlanzeige!

Da lag ein kleines, mir noch fremdes Wesen und ich betrachtete es und staunte darüber, dass das nun meine Tochter war, die ich da in den Händen hielt. Ich war fasziniert davon, ein kleines Neugeborenes in den Händen zu halten und gleichzeitig überwältigt davon. Ich wunderte sie an und war geichzeitig verwirrt. Ich realisierte, dass ich nun Mutter war und spürte von Minute eins an eine riesige Verantwortung und einen Heidenrespekt vor der neuen Aufgabe, die mir nun bevorstand.


Ich realisierte, dass es nun kein Zurück mehr gab und empfand ein bisschen Angst dabei, weil ich mich auf etwas eingelassen hatte, das ich nicht planen und kontrollieren konnte. Ich empfand alles zugleich und doch irgendwie nichts, denn noch immer war die neue Situation für mich komplett surreal. Es war als stünde ich neben mir und betrachtete mich von außen. Als sähe ich einen Film mit mir selbst in der Hauptrolle.

Auch während des Wochenbetts hatte ich mit meinem Empfindungen immer noch zu kämpfen. Ich begann eine Bindung zu meiner Tochter aufzubauen. Aber diese Bindung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so fest, als dass ich sie als das unverbrüchliche, feste Band empfunden hätte, als das sie gerne beschrieben wird und die einen angeblich dazu bringt, alles für dein Kind zu tun.

Die Tage und Wochen vergingen, ich entdeckte Ähnlichkeiten, ich beobachtete stundenlang ihr friedlich schlafendes Gesicht und begann zärtliche Gefühle für mein Kind zu empfinden. Es begann in mir ein kleines Pflänzchen von Mutterliebe zu keimen. Was ich jedoch nicht verspürte war diese gewaltige, alles überwältigende Liebe zu meinem Kind, welche einem gerne als normal suggeriert wird. Ich fühlte mich auch nicht so, als hätte ich plötzlich meine Bestimmung gefunden. Aber ich fühlte etwas.


Ein kleines Saatkorn hatte sich in mein Herz gesetzt, der Grundstein war sozusagen gelegt.


Dass es einfach nur noch ein wenig Zeit brauchen würde, um tiefe Gefühle zu entwickeln, dass ich meine Tochter dafür erst richtig kennenlernen musste, um sie wirklich lieben zu können, das wusste ich damals noch nicht. Ich war verunsichert ob des ausbleibenden Hochgefühls, das mir die Herausforderungen der ersten Wochen erleichtert hätte. Ich fühlte mich betrogen um ein Versprechen, dass mir niemand und doch gleichzeitig jeder gegeben hatte.

Heute weiß ich, dass die Mutterliebe sich so unterschiedlich entwickelt, wie auch wir als Menschen unterschiedlich sind. Die einen werden von ihr wie vom Blitz getroffen - die anderen müssen ihr Kind erst richtig kennen lernen um tiefe Gefühle entwickeln zu können - ganz ähnlich, wie wir uns als Menschen auch in unsere Partner auf ganz unterschiedliche Weise verlieben.

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