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  • AutorenbildEveline

"Ein Kind ist kein Kind"

Aktualisiert: 16. Aug. 2023

Ich gebe es zu: Dieser Satz hat mich schon immer massiv verletzt. Jedes Mal, wenn ich ihn als Einzelkindmama so oder in irgendeiner anderen Form hörte, musste (und muss!) ich mir sehr stark auf die Zunge beißen um nicht in aggressives Knurren und Zähnefletschen auszubrechen.

Der Satz piekst mich an. Er trifft mich in meinem tiefsten Inneren.

Warum ist das wohl so?

Ich denke: Weil er meinen Schmerz negiert.


Weil er mir meine Empfindungen abspricht, nein sogar noch schlimmer:

Weil er die Schuld für meine Empfindungen einzig und allein mir zuschiebt.

Weil er impliziert, dass ich versagt habe.

Denn, wenn sich dieses eine Kind eben nicht nach "KEINEM" Kind anfühlt, wenn das Kind sich eben nicht problemlus - flutsch - in unser Leben integriert, sondern dieses komplett auf den Kopf stellt, wenn auch fünf Jahre nach seiner Geburt vieles immer noch nicht selbstverständlich ist, sondern ein ständiger Kampf und ein ständiges Ringen mit sich selbst - ja dann MUSS der Fehler nach der Logik dieses Satzes ja einfach bei mir selbst liegen.

Denn ein Kind ist ja schließlich kein Kind.

Das muss man als Mutter schon easy hinkriegen. Sonst hat man sich und sein Leben offensichtlich nicht im Griff. Ist ein Looser. Und eine unfähige Mutter oben drein.

Ich will nicht abstreiten,

dass das Leben als Einzelkindmama tatsächlich so einige Vorteile birgt. Dass es so manches mal auch wirklich einfacher IST. Eben, weil die Geschwisterdynamik wegfällt, weil nur die Bedürfnisse EINES weiteren Familienmitglieds berücksichtigt werden müssen. Weil der Planungsaufwand sich eben mit jedem weiteren Kind nochmal potenziert. Weil.....

Ihr könnt mir glauben, dass ich so manches Mal mit gekreuzten Fingern dasitze und mir ein erleichterter Seufzer entfährt, wenn ich sehe, wie andere Mütter ihre zwei (oder gar drei!) gleichzeitig brüllenden Kinder jonglieren, die sich natürlich alle gleichzeitig verletzt haben, gekränkt sind, gestritten haben. Ich bestreite überhaupt nicht, dass ich mir in solchen Momenten denke: " Was ein Glück, habe ich nur eines! Wenigstens das bleibt mir erspart!" Und da ich nahezu jede Woche ebenfalls zwei Bonuskinder von der Kita mitabhole, dürft ihr mir glauben, dass ich ansatzweise nachfühlen kann, wie das für mich so wäre mit drei Kindern. Ich kann erahnen, wie schwer das für mich dauerhaft wäre und was es mich kosten würde.

Ich weiß also sehr genau, welche Vorteile ich als Einzelkindmama faktisch HABE.

ABER:

Es ist am Ende eben doch nicht so einfach , wie es vielleicht scheint. Denn an die Stelle der fehlenden Herausforderungen mit Geschwistern treten nicht selten andere: Fehlende Spielpartner am Wochenende, die durch Playdates oder entsprechendes Programm ausgeglichen werden müssen. Die Gewohnheit daheim die ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben, die dementsprechend auch eingefordert wird. Und so weiter und so fort.

Hinzu kommt eine gravierende Fehlannahme, die auch diesem verhassten Satz wieder einmal zu Grunde liegt:

Die Annahme, dass alle Kinder gleich anstrengend, gleich intensiv, gleich fordernd sind. Beziehungsweise, dass sie es wären, wenn wir sie nur richtig erziehen würden.

Als Mama eines High-Need Babys und Kindes, das sich auch mit fünf Jahren NIE mehr als fünf Minuten selbst beschäftigt (und selbst das kommt selten vor!) , das Unmengen an Input fordert, das ständig jemanden um sich herum braucht, mit dem es sich austauschen kann, fühlt man sich da sehr schnell sehr angepiekst, wenn einem dann "Ein Kind ist kein Kind" entegegen geschleudert wird. Oder direkter gesagt:

Dezent verarscht. Wütend. Frustriert.

Weil Vergleiche eben nicht so einfach möglich sind. Weil Kinder, Menschen und Lebensumstände zu individuell sind.

Richtiger wäre deshalb zu sagen:

Ein Kind ist weniger als zwei Kinder.

Ein Kind zu haben ist ANDERS als zwei Kinder zu haben.

Ein Kind zu haben ist manchmal sicher auch EINFACHER als mehrere Kinder zu haben.

Aber ein Kind ist EIN Kind.

Und auch dieses eine Kind verändert dein Leben schon ganz schön stark.


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