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  • AutorenbildEveline

Milde sein

Eigentlich hätte dieser Artikel nach meinem geplanten Rhytmus schon letzte Woche erscheinen sollen. Als dann die Erinnerungsfunktion meines Handys mich darauf hinwies war mein erster Gedanke:

"Shit! Wie soll ich das diese Woche unterkriegen?"

Schließlich waren Ferien, mein Mann musste arbeiten und ich war überwiegend allein für unsere Tochter zuständig. Vorproduziert hatte ich auch nichts.

Sofort spürte ich Druck. Druck den Text jetzt diese Woche irgendwie liefern zu müssen. Ich war versucht mir irgendwo ein paar freie Minuten rauszuquetschen, um nur ja meiner Verpflichtung euch gegenüber gerecht zu werden und in dem Rhytmus abzuliefern, den ich mir selbst auferlegt hatte.


Und dann...


... dann dachte ich einfach: Scheiß drauf! Ist es jetzt wirklich so wichtig, so dringend, den Text diese Woche noch wie geplant zu liefern? Oder kann das nicht bis Anfang nächster Woche warten, wenn ich endlich wieder Zeit und Luft habe? Direkt daach dachte ich: " Werdet ihr mir es nachsehen, wenn ich einfach mal eine Woche später dran bin?", dicht gefolgt von "werdet ihr es überhaupt merken?". Also beschloss ich milde mit mir zu sein und es für diese Woche einfach sein zu lassen.

Der Text konnte warten. Andere Dinge nicht. Und so habe ich die wenige freie Zeit, die mir in der letzten Woche blieb eben nicht dafür genutzt diesen Text zu schreiben, sondern dafür meinen Akku aufzuladen und durchzuatmen. Weil das wichtiger war in diesem Moment.

Wichtiges von Unwichtigem zu trennen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die du als Elternteil irgendwann lernen musst - ansonsten säufst du gnadenlos ab. Überall um uns herum steigen die Anforderungen, genauso wie der Druck einem unerreichbaren Ideal zu entsprechen.

Perfektes Haus, perfekte Sauberkeit, perfektes Essen, perfekte Erziehung, perfekte Beziehung, perfekte Self-Care und natürlich stets zuverlässig und organisiert in allem. Ja sag mal hakts eigentlich? Wen wollen wir damit eigentlich verarschen?


Es ist unmöglich


all diesen Anforderungen gleichzeitig gerecht zu werden. Der Tag hat nur 24 Stunden und von denen gehen als Erwachsene meist ein Großteil für Schlaf und Arbeit drauf (sei es Erwerbs- oder Carearbeit). Egal in welcher Lebenssituation man persönlich steckt - es wird nie, ich wiederhole NIE, möglich sein all diese Ansprüche dauerhaft zu erfüllen.

Und ich glaube es ist wichtig, dass wir uns das immer wieder ganz bewusst vor Augen führen, denn wir geraten immer wieder in die Versuchung zu meinen, dass es eben DOCH gehen müsste. So sind wir großgeworden und so wird es uns tagein, tagaus von außen suggeriert. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft in der Leistungsfähifkeit "King" und Effizienz "Key" ist.

Bei manchen verkommt dadurch schnell das ganze Leben zu einer einzigen Performance. "Seht her, wie toll ich alles schaffe! Mein Haus, meine Familie, meine Beziehung - alles perfekt!" Das geht solange gut, bis es unweigerlich an einer Ecke zu knirschen beginnt und das ganze Kartenhaus in sich zusammenfällt.


Also seien wir milde mit uns selbst.

Wir KÖNNEN nicht perfekt sein.

Wir MÜSSEN es auch gar nicht.


Das zu Lernen ist ein lebenslanger Prozess - und auch ich bin noch mitten drin.

Genau deshalb war es letzte Woche wichtig für mich, meine Ansprüche an mich selbst herunterzuschrauben und darauf zu vertrauen, dass ihr es mir nachsehen werdet, wenn ich mal später "liefere" als üblich.






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