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  • AutorenbildEveline

Sie werden doch so schnell groß!

Boom! Dieser Satz ist das Killerargument schlechthin. Er kann (und wird!) in jeglicher Lebenslage verwendet, in der sich eine Mutter erdreistet so etwas wie leise Kritik oder gar (böse, böse!) Frust über ihre aktuelle Situation zu äußern.



Er relativiert einfach ALLES:


Dein Kind steckt gerade mitten in der Autonomiephase und flippt mehrmals täglich aus?

--> Aber sie werden doch so schnell groß! Stell dich halt nicht so an! In ein paar Jahren wirst du sehnsüchtig auf die Zeit mit Kleinkind zurückblicken!

Du steckst seit Jahren komplett zurück, weißt eigentlich gar nicht mehr wer du bist und wann du mal Zeit für dich hattest?

--> Aber sie werden doch so schnell groß! Das gehört halt zum Mutter sein dazu - es sind doch nur ein paar Jahre Selbstaufgabe nötig! Was sind schon ein paar Jahre im Vergleich zu der Ewigkeit, die du danach hast?

Deine Situation ist gerade unerträglich und du willst unbedingt etwas daran ändern?

--> Aber sie werden doch so schnell groß! Halt doch einfach noch ein paar Monate/Jahre/was auch immer durch. Lohnt sich doch nicht!


Ihr seht wohin das führt...


Und sicher: Auf die Dauer einer durschnittlichen Lebensspanne betrachtet sind fünf Jahre wirklich nicht viel. Gut möglich, dass wir mit 60 tatsächlich da sitzen und denken: "Ach ja, war doch alles nicht so schlimm!"

Sogar sehr wahrscheinlich - immerhin ist unser Gehirn ein kleiner cleverer Scheißer und auf selektives Vergessen programmiert. Wir werden bis dahin also jede Menge vergessen haben - und im Regelfall werden das eher die negativen Emotionen und Momente sein. Die Marmeladenglasmomente die bleiben.

Und eigentlich ist genau das ja auch verdammt praktisch: Schließlich möchte man genau diese Marmeladenglasmomente GANZ SICHER nicht vergessen. Auf den dreitausendsten Wutanfall kann man in der Erinnerung allerdings getrost verzichten.

Dumm nur, dass eben genau das unsere Erinnerungen gehörig verfälschen kann. Vermutlich ist genau das der Grund, warum wir laut unserer eigenen Eltern ja "nie so waren". Warum die Kleikindzeit im Rückblick und mit einigen Jahren Abstand derart verklärt wird. Selbtbeschiss at it's best.


Leider, leider...


...funktioniert das Ganze allerdings eben nur rückwirkend.

Und hilft daher denjenigen, die in genau diesem Moment mit brüllendem Kleinkind am Bein dastehen herzlich wenig. Genauso wenig , wie es ihnen hilft, von jemand anderem dann die ultimative Weisheit: "Aber sie werden doch so schnell groß" um die Ohren gehauen zu bekommen.

Denn eigentlich heißt das doch nichts anderes als "Jetzt stell dich mal gefälligst nicht so an" und "jammer hier nicht so rum"! Nur eben in netterem Gewand formuliert. Manche sagen auch "passiv aggresiv" dazu.

Denn wer sagt uns, dass die Kraft unseres Gegenübers überhaupt lange genug reicht, bis das Kind " groß genug" ist?

Einfach Augen zu und durch ist in den seltensten Fällen eine Lösung. Denn wenn uns etwas so frustet, dass wir darüber sprechen müssen, dann liegt der Verdacht nahe, dass der Leidensdruck eventuell auch so groß ist, dass wir eigentlich etwas an der Situation ändern müssten, um uns wieder besser zu fühlen.

Jemandem dann zu raten einfach weiterzumachen wie bisher und auszuharren ist ein verdammt gefährliches Pflaster.

Jemandem gleichzeitig dabei auch noch die Berechtigung abzusprechen sich zu beschweren ist einfach nur arschig.


Manchmal


kann Augen zu und Durch natürlich durchaus eine Lösung sein: Wie in unserem Fall, in dem die Kita nun nur noch bis 14 Uhr geöffnet hat: Wir befinden uns im letzten Kitajahr. Ein Ende ist absehbar. Der Invest eine dauerhafte längere Betreuung für jeden Tag zu finden ist zu hoch. Die Notwendigkeit aktuell nicht dringend genug. Und so versuche ich mittels Freundinnen-Playdates und Oma-Nachmittagen ein wenig Freiraum für mich zu schaffen und gleichzeitig durchzuhalten - in der Hoffnung auf einen ausreichend langen Kernzeitbetreuungsplatz nach der Einschulung *hüstel*.

Aber selbst in diesem Fall ist es eben nicht nur ein Aushalten sondern gleichzeitig ein Finden von Kompromissen und Lösungen mit denen alle Beteiligten leben können.

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