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  • AutorenbildEveline

Leichtigkeit

Letzten Sonntagabend stand ich in der Küche und ein Gedanke schoss mir plötzlich durch den Kopf:

"Mensch, das war heute richtiggehend entspannt!"

Der Sonntag hatte sich richtiggehend leicht angefühlt und einen kurzen Moment stutze ich und überlegt WARUM das so war.

In der nächsten Sekunde fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Wir hatten wenig bis gar nicht diskutieren müssen, es gab keine emotionalen Ausbrüche und auch unser Besuch beim Faschingsumzug lief völlig reibungslos ab.


Die relativ weitere Laufstrecke vom Parkplatz zum Umzug? Kein Problem.

Die für unsere Verhältnisse lange Zeitspanne von 45 min, die wir warten mussten, bis der Umzug endlich da war - nicht der Rede wert.

Unser Kind stand nahezu zwei Stunden wie angenagelt still an einer Stelle und beobachtete den vorbeiziehenden Umzug - etwas was ich bisher immer für unmöglich gehalten hatte.

Und auch der restliche Tag verlief großteils ohne ständige Widerworte und andauernde Überzeugungsarbeit, die ansonsten zu meinem Alltag gehören.

"So entspannt kann Eltern sein also auch sein!" dachte ich mir und bereitete weiter die Pizza vor.


Und dabei denke ich in keinster Weise, dass andere Eltern diesen Zustand dauerhaft haben. Solche "perfekten" Tage sind in den meisten Familien rar und kostbar. Aber: Wie so oft ist das Ausgangsniveau von dem aus man solche Tage betrachtet eben dennoch ein unterschiedliches.


Dieser Tag gestern


hat mir gezeigt, wie entspannt ich als Mama sein kann. Wie leicht ich mich nach einem ganzen Tag mit Kind fühlen kann. Und woran es liegt, dass dem oft nicht so ist. Er hat mir mal wieder bewiesen, dass es NICHT nur an mir und meiner Einstellung und meinen Kraftreserven liegt, sondern eben auch maßgeblich an der Menge an Energie, die mein Kind von mir fordert -und die ist im Regelfall einfach deutlich höher als bei manch anderen Kindern.

Weil eben im Normalfall die wenigten Dinge einfach so gemacht werden wie und wenn ich sie sagen. Weil ein "Nein" normalerweise eigentlich nie ohne weitere Diskussion oder ellenlange Erklärungen akzeptiert wird. Weil der Geduldsfaden meines Kindes im Normalfall kürzer ist als ein Streichholz und ihre Unruhe legendär. Weil die Emotionen bei uns im Laufe eines Tages im Normalfall zig mal hochkochen und es kein ausgeglichenes Niveau gibt.

Das ist ein Aspekt, den ich mir lange nicht zugestanden habe. Lange Zeit habe ich die Schuld dafür, dass ich Mutter sein so wahnsinnig anstrengend finde ausschließlich bei mir gesucem ist aber nicht so. Kinder sind mit unterschiedlichen Temperamenten gesegnet und ein autonomes, höchst aktives High-Need Kind ist eben einfach nochmals eine andere Hausnummer. Aber das musste ich erstmal erkennen - und das konnte ich erst, als ich regelmäßig und über längere Zeit mit anderen Kindern zu tun hatte. Als ich einen mehr oder weniger direkten Vergleich hatte, der über das bloße Beobachten anderer Mütter hinausging. Denn erst als ich bei anderen Kindern die Rolle der Aufsichtsperson übernahm und damit automatisch auch mal "Neins" und Anweisungen aussprechen musste, erst da begriff ich, dass diese Kinder eben nicht nur deshalb anders darauf reagierten als meines, weil die anderen Mütter etwas richtig und ich etwas falsch machte. Nein, sie reagierten auch bei mir anders als mein eigenes Kind. Selbst wenn ich den "Vorführeffekt" hinzurechne, der ja in solchen Fällen gerne eintritt - der Unterschied war spürbar.


Natürlich


bedeutet das nicht, dass die Eltern dieser Kinder es immer einfach haben. Jedes Kind bringt seine ureigenen Herausforderungen mit sich. Aber für mich persönlich ist das Handling der Selbstbestimmtheit und Impulsivität meiner Tochter einfach unheimlich anstrengend. Es frisst Unmengen an kognitiven und emotionalen Ressourcen, die mir dann an anderen Stellen fehlen, wo ich sie bräuchte um geduldig und zugewandt agieren zu können.

Das soll keine Entschuldigung dafür sein, dass ich so manches mal genervt reagiere und viel zu ungeduldig mit meinem Kind bin. Aber es hilft mir damit umzugehen und daran zu arbeiten: Denn nur durch die Erkenntnis, dass es NICHT NUR an mir liegt, sondern eben auch an unserer beiden individuellen Charakterzügen, kann ich entsprechende Maßnahmen treffen - und vor allem etwas milder mit mir sein, wenn es dann doch mal wieder passiert.

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